20 Jul 2012
Clariant startet Biokraftstoff der Zukunft
- Grösste deutsche Zellulose-Ethanol-Anlage in Straubing eingeweiht
- CEO Hariolf Kottmann: Meilenstein in der Strategie für nachhaltige Produkte und Prozesse
- Bundesforschungsministerin Schavan: Nationale Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030
- Biokraftstoff der Zukunft mit 95% CO2 Einsparung - ohne Konkurrenz zu Nahrungsmitteln
Muttenz, 20. Juli 2012 - Das Schweizer Spezialchemieunternehmen Clariant hat heute im bayrischen Straubing die grösste Demonstrationsanlage in Deutschland zur Herstellung von klimafreundlichem Zellulose-Ethanol aus Agrarreststoffen eingeweiht. Das von der Bayerischen Staatsregierung und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Zukunftsprojekt umfasst ein Gesamtvolumen von rund 28 Millionen Euro und wird mittels der von Clariant entwickelten sunliquid® Technologie aus etwa 4.500 Tonnen Weizenstroh jährlich bis zu 1.000 Tonnen Zellulose-Ethanol herstellen. Studien nennen insgesamt ein Potential von rund 22 Millionen Tonnen Stroh, die in Deutschland bei Berücksichtigung der notwendigen Bodenregeneration energetisch verwertet werden können. Damit könnten ca. 25% des aktuellen Benzinbedarfs in Deutschland abgedeckt werden.
In Anwesenheit von Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil erklärte Clariant-CEO Hariolf Kottmann: “Der Start der neuen Anlage ist ein wichtiger Meilenstein zur Herstellung eines klimafreundlichen Biokraftstoffs und gleichzeitig Grundstoffs für die chemische Industrie.“ Kottmann appellierte an Politik und Wirtschaft, aus dem Fehlstart bei der Einführung des Biokraftstoffs E10 zu lernen und den offenen Dialog mit allen Interessengruppen zu suchen. „Nur wenn die Bevölkerung den Umweltnutzen von klimafreundlichen Biokraftstoffen erkennt, wird Bioethanol der zweiten Generation Erfolg haben.“ Kottmann forderte stabile und verlässliche Rahmenbedingungen und eine Verlängerung der Steuerfreiheit für Biokraftstoffe der zweiten Generation über das Jahr 2015 hinaus.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan erklärte: „Diese Anlage zeigt sehr eindrucksvoll, dass traditionell aus Erdöl hergestellt Produkte gleichwertig aus Biomasse produziert werden können. Damit leistet die Anlage einen wichtigen Beitrag im Sinne einer nachhaltigen BioÖkonomie.“
Für Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil gibt es für die Demonstrationsanlage keinen passenderen Ort als Straubing: „Am bayerischen Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe gibt es eben nicht nur den Rohstoff Stroh, sondern vor allem auch das entsprechende wissenschaftliche Umfeld mit universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Wenn mit der sunliquid-Technologie hier der Durchbruch gelingt, eröffnet dies Perspektiven für Arbeitsplätze und Einkommen insbesondere im ländlichen Raum. Und global gesehen haben wir mit der Verwertung agrarischer Reststoffe kein ‚Tank-oder-Teller-Problem’.“
Die Anlage am bayerischen BioCampus Straubing liegt logistisch günstig in unmittelbarer Nähe zum Donauhafen. Den Rohstoff wird sie aber vor allem aus der Straubinger Umgebung beziehen. Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr begrüßte die Ansiedlung von Clariant als „innovativstes Leitunternehmen der Grünen Chemie im Bayerischen BioCampus“ und versprach, sich gemeinsam mit Landrat Alfred Reisinger für eine nachhaltige Bereitstellung von Biomassen für die industrielle Nutzung im Rahmen der Donauraumstrategie „Green Chemistry Belt“ einzusetzen.
Prof. Dr. Andre Koltermann, Leiter des Biotech & Renewables Centers von Clariant, ergänzte: „Wir entwickeln die sunliquid Technologie seit 2006, und seit 2009 wird das Verfahren erfolgreich im Pilotmaßstab getestet.“ Auf einer Grundfläche von rund 2.500 Quadratmetern werden alle Prozessschritte dargestellt, die später in einer grossindustriellen Anlage zum Einsatz kommen, um die technologische Durchführbarkeit der sunliquid Technologie zu bestätigen. „Die Ergebnisse, die wir nun in Straubing gewinnen, werden es uns ermöglichen industrielle Produktionsanlagen effizient und wirtschaftlich zu planen und schließlich zusammen mit Partnern zu realisieren“ so Koltermann weiter.
Bei dem sunliquid Verfahren handelt es sich um ein innovatives, biotechnologisches Verfahren, um aus Pflanzenreststoffen wie Getreide- oder Maisstroh Bioethanol der zweiten Generation herzustellen, sogenannten Zellulose-Ethanol.
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